Über diesen Blog

Mensch, Frau, Freundin, Mutter, Tochter, Schwester, Sozialpädagogin, Kleinkünstlerin, ehemalige Leiterin, Katzenmama, heimliche Waldfee, kreativer Kopf und alberne Wortspiel-Begeisterte.

Was bleibt, wenn nicht mehr Dogmen, sondern Lebendigkeit meinen Glauben bestimmen sollen?

Mein Glaubensleben war schon immer mit diversen Fragezeichen versehen. Doch erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass es für mich und auch viele andere Menschen entscheidend sein wird, inwiefern diese Fragezeichen einen Raum bekommen. Entscheidend dafür, überhaupt weiterglauben zu können.

Im geschäftigen „Was-man-halt-so-macht, als Gläubige“, und damit sind in erster Linie reguläre Programme gemeint, ist allerdings allein aus Kapazitätengründen kaum möglich, Reflexionsräume für solche Fragezeichen zu ermöglichen. Zusätzlich auch, weil die damit verbundenen Dekonstruktionen ja die Programme geradezu delegitimieren oder mindestens gehörig auf den Prüfstand stellen würden. Und die Inhalte. Das gesungene, gepredigte, das tradierte, vorausgesetzte, das, was alles, was passiert, unterschwellig schon einrahmende. Genau das, was eben in Frage gestellt gehört.

Bei mir hat das dazu geführt, meine Aufgaben und Verantwortlichkeiten u.a. in leitender Funktion, aufzugeben und auch die Programme hinter mir zu lassen, welche mit den Veränderungen, die mein Glaubensleben gerade durchmacht, nicht Schritt halten können.

Somit kommt Luft an die ganze Sache, mit der ich schon mein Leben lang aufgewachsen bin. Erst jetzt, wo ich mich abseits des Gewohnten bewege, das so lange mein Denken, Wollen und Handeln bestimmt hat, kann ich von außen betrachten, was davon eigentlich etwas ist, von dem ich will, dass es mein Leben ausmacht und prägt. Und was ich hinter mir lassen möchte, weil ich es als nicht mehr stimmig oder sogar nicht gesund erlebe. Und ich bemerke eine ganz neue Offenheit, auch für Menschen, die nicht mehr glauben, die anderes glauben, die anderes gefunden haben, was sie als gesund erleben. Ich höre hin, informiere mich, habe nicht nötig mein Eigenes überzustülpen, möchte auf Augenhöhe sein.

Und dennoch habe ich die Sehnsucht, weiter zu glauben. Nur anders wird es sein. So wie bisher geht es zu großen Teilen nicht mehr.

Da wir auch Gläubige sein können, ohne eine ausgiebige theologische Ausbildung genossen zu haben, traue ich mich zu denken, wir können auch dekonstruieren und Gedanken aufwerfen, ohne ebendiese.

Und für genau solches ist hier ein Raum:

Gedanken, Ideen, Stöbern im Unbekannten. Erweiterungen des Vorstellbaren und (für mich) Bekannten. Vorschläge für Perspektivwechsel. Einlassen auf Impulse, neugieriges Erkunden. Entdecken anderer Formen von Glauben und theologischen Auslegungen, die es schon länger gibt, nur eben nicht im geistlichen Mainstream..

Ein manchmal zögerliches, manchmal furchtloses Tanzen im aufgewirbelten Staub.

Und ja, auch Versuche von argumentativen, theologisch fundierten Herangehensweisen. Dafür lasse ich tendenziell mit Zitationen lieber andere sprechen, aber im Sinne einer Laienpredigt entwickele ich auch eigene Interpretationsvorschläge für Worte aus den biblischen Schriften.

Manchmal ist es sicherlich eine eher mystisch-ästhetische Herangehensweise, mir den dekonstruierten Glauben neu zu erschließen, als eine rationale. Und das ist ok.

Dieser Blog ist als eine Art persönliches Notizbuch zu verstehen, das mir hilft mich zu sortieren.

Da sich andere ebenfalls mit ähnlichen Fragen befassen (oder vielleicht überlegen, ob sie sich für ähnliche Gedanken öffnen möchten), soll dieser Blog einerseits eine Ermutigung sein, ebenfalls laut vor sich hinzudenken – ja, auch und gerade mit unkonventionellen Gedanken! Immer raus damit (außer sie beinhalten Verschwörungstheorien ;)) – sowie andererseits als eine Plattform dienen für gegenseitige Inspiration, Austausch und Verknüpfungen.

Ich feiere Gesprächsbeginne. Du auch?

Abseits

Wenn für Menschen bestimmte Glaubensinhalte und -praxen nicht mehr wie bisher funktionieren, rücken sie schnell ins Abseits.

Da, wo Gott aus einer viel zu engen Box gelassen wird, begegnet sie mir neu und fremd.

In diesem Moment gibt es erstmal nur dieses Gegenüber, das ich mit dem, was ihm noch alles zu sein zugestehe, so noch nicht kenne und erst neu erfahren und entdecken muss. Möchte. Darf. Es löst in mir Aufregung und Freude aus.

Finde ich einen Glauben und ein großes vollständig gutes Gegenüber abseits der christlichen organisierten Kirchen vor? Vielleicht auch in mir drin? War das, wovon Jesus sprach und was er bezeugte, nicht sowieso schon immer dort zu finden? Abseits des Etablierten, Religiösen, das sich in eine klare Schachtel packen lässt?

Was ist, wenn Gott mich aus dem Christentum hinausführt und ganz wo anders haben will? Ist das ok? Darf das so sein? Erlaube ich mir das? Was passiert, wenn ich davor keine Angst habe, diese Kategorien zu überwinden?

Spannend ist für mich diese erste Erkenntnis: Diese neue, andere Art zu glauben ist keine Aneinanderreihung von dogmatischen Überzeugungen. Sie ist ein Mosaik aus vielen verschiedenen Bewegungen. Und natürlich entwickle ich auch Überzeugungen und diese laufen wiederum Gefahr dogmatisch zu werden. Deshalb sollen es Bewegungen in Frieden und Freiheit und Demut sein. Und ja, das ist ein lang andauerndes Übungsfeld, wenn man aus tendenziell fundamentalistisch orientierten Prägungen kommt.

Eine Bewegung kann zudem gerade ein Zeichen dafür sein, auch Widersprüchlichkeiten auszuhalten, denn ich muss nicht alles, was paradox ist, auflösen, um eine mündige Spiritualität zu entwerfen.

Deshalb sei hier betont: Es sind meine eigenen Bewegungen, die ich hier ein Stück weit skizziere.

Es ist für mich ein Raum, in dem ich ausprobieren und laut denken und ertasten kann.

Ich freue mich Menschen zu finden, die sich ebenfalls mit diesen Fragen bewegen, die auch offen sind für andere Arten, als gläubige Menschen zu leben. Ebenfalls am Suchen eines Glaubens, der überdauern und anders aussehen kann. Und ohne mich davon abhängig zu machen vertraue ich darauf, dass wir uns finden und so auch wieder neue gemeinschaftliche Annäherungen an das Göttliche möglich sein werden.

Sei willkommen und gesegnet.